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Magazin / Geld

Wie ein Schneeballsystem

Der Großteil der Menschheit ist nach wie vor vom Finanzstrom abgeschnitten und lebt von der Hand in den Mund. Mikrokredite sind eine Chance zur Überwindung von individueller Armut. Auf dem Truscon-Event zum Thema Investment in Mikrokredite referierte Edda Schröder von Invest in Visions

Von Ina Kaifi

Fakten zum Wallberg Global Microfinance Fund

Fondsmanager:

Symbiotics S.A. in Genf (gehört weltweit zu den führenden Investmentmanagern im Bereich Mikrofinanz). Das 25-köpfige Team blickt auf eine zehn-jährige Erfahrung in verschiedenen Stationen im Mikrofinanzsektor zurück

Symbiotics erhält regelmäßige Berichte und besucht die Mikrofinanzinstitute vor Ort, um sich ein genaues Bild der Lage zu machen

Ansprechpartner bei Truscon:

Eugen Herzig – Kompetenzteam Investmentfonds

investmentfonds(at)truscon.de

Die achtjährige Fatima kann seit zwei Jahren zur Schule gehen. Klingt unspektakulär? Ist es aber nicht. Denn Fatima lebt als eines von elf Geschwistern in einer Familie in einem Dorf im Südwesten Ugandas. Wer so aufwächst, geht normalerweise nicht zur Schule, sondern arbeitet daheim auf dem Feld.

Warum ist das bei Fatima anders?

Ihr Vater hat vor sechs Jahren seinen ersten Mikrokredit in Höhe von 600 US-Dollar erhalten. Davon konnte er Kaffee, Bohnen, Bananen und Ananas anbauen. Seitdem bekommt er Mikrokredite von jährlich 1.600 US-Dollar. Er generiert inzwischen 5.400 US-Dollar im Jahr, kann davon die Kredite zurückzahlen und, viel wichtiger, seine Tochter und ihre zehn Geschwister zur Schule schicken. Ein Reinvestment – in die Zukunft seiner Kinder.

Muhammad Yunus machte die Mikrokredite berühmt als er 2006 den Nobelpreis für sein Engagement bekam. Er vergibt Kleinstkredite an vornehmlich Frauen in Bangladesh. Mit wenig Startkapital schaffen sie es kleine Unternehmen, wie Möbelgeschäfte oder Essenstände, aufzubauen, ohne sich Geld von Wucherern leihen zu müssen. Das Faszinierende: 98% der Kredite werden zurückgezahlt. Denn die Motivation, die eigene Arbeitskraft einzusetzen, ist bei den Kreditnehmern sehr groß. Schließlich bekommen die meisten von ihnen das erste Mal in ihrem Leben eine echte Chance, sich etwas Eigenes aufzubauen.

“Ein weiterer wichtiger Grund dafür, dass das System so gut funktioniert ist, dass die Menschen gegenseitig für sich bürgen und auch in der Gruppe entschieden wird, wer ‚kreditwürdig’ ist“, erzählt Edda Schröder von Invest in Visions, die bei zahlreichen Besuchen in Schwellenländern erfahren hat, was Mikrokredite bewirken können.

Dass Geld und Moral für Investoren zusammen passen können, zeigt der Wallberg Global Microfinance Fund, den Edda Schröder initiierte. Er investiert in ein breites Portfolio aus weltweiten und unterschiedlich großen Mikrofinanzinstituten, die an Existenzgründern in Schwellenländern – Schneiderinnern, Händler, Bauern – Darlehen von durchschnittlich 800 US-Dollar vergeben. Mikrofinanzinstitute gibt es weltweit, von Uganda bis Bangladesch, von Kirgisistan bis zur Karibik. Sie haben ein professionelles Management und arbeiten profitabel. Da ihr Bedarf an Kapital inzwischen sehr groß ist, suchen sie immer häufiger den Weg zum Kapitalmarkt.

Der Wallberg Global Microfinance Fund erreicht weltweit 30.000 Menschen. Neben einer attraktiven Rendite erzielt der Anleger auch eine soziale Rendite. Wer in Mikrokredite investiert, investiert in menschliches Potential.