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Magazin / Buchclub

Schnelles Denken, langsames Denken

Daniel Kahnemann

Buchtitel:

Schnelles Denken, langsames Denken

Verlag:

Siedler Verlag

Erscheinungsjahr:

2012 (17. Auflage)



Daniel Kahnemans Buch hat vom Grunde her alles, um eine fesselnde Lektüre zu sein. Er führt den Leser ein in das Wesen unseres Denkens und unseres Handels, gar unseres Seins. Dabei erlaubt er uns immer wieder einen Blick in den Spiegel, was zu vielen „Aha“-Erlebnissen führt. Die Leserschaft wird in Aspekte eingeführt, die sich in drei Kategorien einteilen lassen: „das habe ich schon gewusst“, „das habe ich immer so gefühlt“ und „das ist mir neu“. Seine Unterteilung unserer Denkstruktur in „System 1“ (dem unbewussten, schnellen Denken) und „System 2“ (dem langsamen Nachdenken) klingt einfallslos, ist damit angenehm unoriginell und klar, man gewöhnt sich sofort daran.

Für Christian Hartwig, Leiter Truscon Berlin,  sind zwei Kapital hervorheben: Zuerst Kapitel 7, „Eine Maschine für voreilige Schlußfolgerungen“, in dem der „Halo“-Effekt dargestellt wird. Die Tendenz, alles – auch Dinge, die man gar nicht beobachtet hat – an einem Menschen zu mögen (oder auch nicht zu mögen). "What you see is all there is" wenden wir alle gerne an, aus unserem spärlichen Wissen über eine Person („er ist mir sympathisch“) schließen wir – unser System 1 – eine Vielzahl von weiteren Schlussfolgerungen, ohne jedwede belastbare Basis.

Kapitel 20, „Die Illusion der Gültigkeit“, ist ein Blick in den Spiegel, mit dem man sich freiwillig etwas schwer tut. Das Unterkapitel „Der Irrglaube, einen guten Riecher für Aktien zu haben“, ist besonders lesenswert. Das folgende Zitat – jedes Kapitel wird mit kurzen „Merksätzen“ abgeschlossen – fasst dieses Kapitel gut zusammen: „Die Frage ist nicht, ob diese Experten gut ausgebildet sind. Die Frage ist, ob Ihre Welt vorhersagbar ist.“

Als Fazit schlussfolgert Christian Hartwig: „Das Buch hat alles, um zu fesseln. Und doch kann das Lesen beschwerlich sein. Der Anfang ist etwas zäh, dann folgt ein Feuerwerk von spannenden Gedanken und Aspekten, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte. Eine Vielzahl von Beispielen und Wiederholungen, die Liebe zum Detail bringt aber Längen mit sich, so dass der Mittelteil wieder zäh wird. Zuletzt folgen wieder Themen, die den Leser für das Durchhalten belohnen. Meine Empfehlung: beginnen Sie es, wenn Sie wissen, dass Sie es hintereinander weg lesen können, zum Beispiel im Urlaub. Es ist keine ‚20 Seiten an jedem Abend‘-Lektüre.“

 

Zum Autor:

Daniel Kahneman, geboren 1934 in Tel Aviv, ist Professor für Psychologie an der Princeton University und einer der weltweit einflussreichsten Kognitionspsychologen. Für seine Arbeit erhielt Kahneman zahlreiche Auszeichnungen namhafter Universitäten und wurde 2002 mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet. (Quelle: Buchrücken)