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Unternehmen / Geschäftsführung

 

„Mit wachem Geist“

 

Ein Interview mit Frank Sadowsky, dem Gründer und Geschäftsführer des unabhängigen Finanzdienstleisters Truscon über den Auftrag des Unternehmens, über Unabhängigkeit und Firmenkultur

Frank Sadowsky

Unternehmensbereiche / Aufgaben:

Geschäftsführender Gesellschafter

Im Unternehmen seit:

Gründungsmitglied von Truscon

Kompetenzteam:

Investmentfonds

 

 

 

 

Herr Sadowsky, was waren die Impulse für die Gründung der Truscon GmbH im Jahre 1995?

Ich habe vor der Gründung der Truscon lange Zeit in der Finanzbranche gearbeitet und irgendwann gab es für mich den Punkt, an dem ich einen klaren Schnitt machen musste. Der Finanzmarkt ist nach wie vor ein Markt, der sich hauptsächlich an den Interessen der Produktentwickler orientiert, also der Banken und Versicherungen. Oft wird mit der Unwissenheit und dem Sicherheitsbedürfnis der Menschen gespielt. Dem Kunden werden Finanzanlagen verkauft, die ihnen nicht dazu verhelfen, an der Wertschöpfungskette zu partizipieren. Dieses System entsprach nicht meinen Wertevorstellungen. Unser Auftrag liegt darin, das Interesse der Kunden in den Mittelpunkt zu rücken, langfristig zu beraten und vor allen Dingen über den Markt aufzuklären.

Aber es handelt sich um sehr komplexe Zusammenhänge – wie schaffen Sie es, diese Ihren Kunden zu erklären? 

Der Finanzmarkt ist zwar komplex, aber er unterliegt Regeln. Deshalb ist es uns so wichtig, unseren Kunden eine gute Basis an Kenntnissen über den Markt zu vermitteln. Voraussetzung für diesen Wissenstransfer ist, dass wir innerhalb des Unternehmens die tiefe inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Finanzmarkt suchen. Der Anspruch, hinter die Fassade zu schauen, hat unseren Blick in der Zeit unseres Bestehens sehr geschult. Er brachte auch einige Konflikte mit sich, denn auf diese Weise kommen oft verdeckte Strukturen ans Tageslicht, die Anbieter gezielt verbergen. Aber diese Genauigkeit und auch ein gutes Maß an Beharrlichkeit sind nötig, um die Strukturen des Marktes zu erkennen. Auf dem Fundament dieser internen stetigen Auseinandersetzung können wir unseren Kunden das Werkzeug an die Hand geben, das sie benötigen, um sinnvolle Entscheidungen treffen zu können. 

Wie definieren Sie Unabhängigkeit? 

Unabhängigkeit begreife ich als einen Prozess. Das bedeutet, dass wir unseren Werten folgen und dass wir Strukturen bilden, die es ermöglichen, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. Wenn wir unser Können innerhalb unseres Verantwortungsbereiches gemäß unserer Werte einsetzen – dann sind wir unabhängig. Die Basis für unsere Unabhängigkeit ist, dass sich keine Produktentwicklungsunternehmen an uns beteiligen und wir unseren eigenen Motiven und Werten gemäß und ganz unbeeinflusst handeln und beraten können.

Klingt gut. Aber wie spiegelt sich diese Unabhängigkeit in Ihrer täglichen Arbeit wieder?

Überall dort, wo Menschen mit wachem Geist an ihre Arbeit herangehen – und sich unabhängig von Meinungen oder vermeintlichen Fakten machen. Wir haben bei uns vier Gremien ins Leben gerufen, die Finanzprodukte sehr gründlich durchleuchten. Das Produktgremium etwa ist eine dieser Schaltstellen. Jeder kann bestimmte Finanzanlagen vorschlagen, die wenigsten Anlagen aber schaffen es durch die Bewertung dieses Gremiums hindurch zu kommen. Unsere Definition für ein Finanzprodukt: Es muss einen Mehrwert für alle Beteiligten schaffen. Zu unserer Recherche gehört es, zu analysieren, was für Menschen hinter einer Finanzanlage stehen und welche Motivation sie haben. Wir prüfen auch die Transparenz des Produktes, wobei sich Transparenz nicht nur auf die Kostenstrukturen bezieht, sondern auch darauf, welche Arbeitsleistungen mit diesen Kosten verbunden sind. In unseren Kompetenzteams haben sich Menschen zusammengefunden, die jeweils zu einer bestimmten Anlageklasse recherchieren, diskutieren und auswerten. Im Laufe der Jahre haben wir gelernt, dass jede Anlageklasse ihre eigenen Regeln und Geheimnisse birgt und dass es immer darum geht, die entscheidende Stellschraube zu finden. Wir sitzen oft zusammen und dann geht es auch schon so manches Mal ums „Bauchgefühl“ oder um Details, die uns einfach nicht loslassen. Wir schauen sehr genau hin. Die eigentliche Botschaft heraus zu filtern, Wissen zu bündeln und sie im nächsten Schritt an den Kunden weiterzugeben ist das Resultat dieser Arbeit – und unserer Unabhängigkeit.

Wie sieht eine Beratung bei Ihnen aus? 

Zunächst einmal: Sie braucht Zeit. Wir möchten dem Kunden auf Augenhöhe begegnen und ihn dazu inspirieren, eigenverantwortlich mit seinen Finanzen umzugehen. Dafür müssen wir uns in Ruhe zusammensetzen und, wie bereits erwähnt, die Grundzüge des Finanzmarktes darlegen. Viele Menschen kommen mit ihrem Finanzordner zu uns und möchten dieses Thema am liebsten abgeben. Das Problem dabei: Sie geben damit auch das Steuerrad ab. Wir machen ihnen klar, wie viel positiven Einfluss sie nehmen können, sobald sie das Thema selbst in die Hand nehmen – positiver Einfluss nicht nur auf die eigene Lebensqualität, sondern auch auf gesellschaftliche Entwicklungen. Die Verdeutlichung dieser Möglichkeiten ist nur möglich, wenn sich der Kunde intensiv mit dem Thema auseinandersetzt und bereit ist, darüber zu reflektieren. Erst im nächsten Schritt erarbeiten wir ein Finanzkonzept. Ganz wichtig: Das Konzept muss flexibel sein. Der Markt ändert sich kontinuierlich und auch die Situation des Kunden.

Wie erklären Sie sich, dass viele Menschen erst auf einen verantwortungsvolleren Umgang mit Ihren Finanzen gestoßen werden müssen? 

Mit einem Mangel an Aufklärung! Wenn man mit einem falschen Verständnis des Marktes seine Finanzen aufstellt, sind Probleme vorprogrammiert. Das Grunddilemma im Hinblick auf das Thema Geld ist meiner Meinung nach folgendes: Geld ist ganz eng mit der Sorge um die eigene Existenz verknüpft. Hier sind wir wieder beim Thema Sicherheit. Wenn dieses Sicherheitsbedürfnis dominiert, kann man nicht mehr klar sehen und trifft mitunter Fehlentscheidungen. In unserer Branche sind es oft Excel-Tabellen und schlüssig erscheinende Kausalketten, die zu einem Abschluss führen. Das sind aber nur Verpackungen. Wir bei Truscon gehen ganz offen mit diesem Thema um und sagen: Sicherheit gibt es schlussendlich nicht. Was es aber gibt, sind gute Inhalte.

Gibt es ein Grundprinzip für „Sinnvolles Geldanlegen“?

Die Anlagestrategie ist ein sehr komplexes und auch individuelles Thema. Ein wesentliches Prinzip sehe ich aber darin, dass Eigentumswerte wie Immobilien, Grund und Boden, aber auch Aktien und Aktienfonds, eine solide Basis für eine sinnvolle Anlage-Konstruktion darstellen. Eigentum ist rechtlich besser abgegrenzt. Wie und welche Eigentumswerte im Einzelfall sinnvoll sind, muss aber im Hinblick auf eine langfristige Wertschöpfung im Detail erarbeitet werden.

Wo sehen Sie sich in der Zukunft?

Ich sehe die Truscon als ein Unternehmen, das mit viel Spaß aufklärt und Zukunft gestaltet. Wir möchten gern mehr bewirken, deshalb wollen wir moderat wachsen. Das Wichtigste ist aber, dass wir uns weiterhin mit so viel Begeisterung mit dem Markt und unseren Kunden auseinandersetzen wie in der Vergangenheit. Meine Vision ist ein Unternehmen mit noch mehr Menschen, die spielerisch Herausforderungen suchen und annehmen und sich selbst dabei entdecken. Diese Kultur möchten wir weiterentwickeln und an unsere Kunden weitergeben.