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Magazin / Leben

 

Die Essensretter

Für das aktuelle Truscon-Magazin KANT – Thema „Transparenz“ – durchleuchteten wir unterschiedliche Bereiche, darunter auch die Lebensmittelindustrie.

 

Interview mit Martin Rücker von foodwatch

Martin Rücker

Pressesprecher, Leiter Presse- & Öffentlichkeitsarbeit bei foodwatch

Herr Rücker, ernähren wir uns besser oder schlechter als vor 50 Jahren?

Das kommt ein bisschen auf den Maßstab an. Wir haben auf jeden Fall in gewissen Bereichen Probleme, die vor 50 Jahren noch nicht vorhanden waren. In der Nachkriegszeit hatten wir einfach andere Gegebenheiten, es gab eine andere Versorgung mit Lebensmitteln, wir haben heute an jeder Ecke einen Supermarkt mit vollen Regalen, bis spät abends geöffnet, das gab es vor 50 Jahren in der Form natürlich nicht. Wir haben eine größere Vielfalt an Produkten, aber nicht unbedingt in jeglicher Hinsicht bessere Lebensmittel. Diese wurden damals anders hergestellt, mit mehr Zusatzstoffen. Es gibt neue Produkte, die etliche Gesundheitsversprechen geben, die man jedoch sehr kritisch hinterfragen sollte. In vielen Fällen wird man feststellen, dass diese Produkte ihr Versprechen nicht halten können. Und wir haben heute andere ernährungsbedingte Krankheiten. Eine Tatsache ist heute, dass Übergewicht zu einer Volkskrankheit geworden ist, das war vor 50 Jahren doch undenkbar.

Das deutsche Lebensmittelgesetz gehört zu den strengsten der Welt.
Trotzdem werden viele Lebensmittel mit Versprechen beworben, die nicht gehalten werden. Jogurts zum Abnehmen, Bonbons als Vitaminbomben. Werden die Konsumenten eigentlich vorsätzlich getäuscht?

Sie werden getäuscht und zwar nicht nur in Ausnahmefällen, sondern sehr systematisch. Was in gewisser Weise verständlich ist, zumindest aus Sicht der Lebensmittelhersteller. Wenn sie ein Produkt auf den Markt bringen, wie z.B. Frühstücksflocken und schreiben darauf, „schmeckt ganz toll, schmeckt aber nur deshalb toll, weil unheimlich viel Zucker darin enthalten ist“, dann werden sie dieses Produkt nicht verkaufen. Die Konkurrenz hat nämlich ein Produkt, das genauso viel Zucker enthält, dieses aber als Fitnessprodukt deklariert. Das ist ein ganz einfaches Versprechen, das jedoch nicht eingelöst werden kann. Es ist schlichtweg kein Fitnessprodukt, wenn darin ein Drittel Zucker enthalten ist. Hier beginnt die Täuschung.
Wenn sie sich in einem solch hart umkämpften Markt als Lebensmittelproduzent bewegen, dann beobachten Sie genau, was die Konkurrenz tut. Genau wie alle anderen in diesem Markt, müssen Sie zur Umsatzsteigerung immer mehr ihrer eigenen Produkte verkaufen. Das führt zu einer Spirale der immer größeren und tolleren Werbeversprechen. Aus Verbrauchersicht führt das geradewegs in eine immer größer werdende Irreführung.

Sie nehmen mit Ihrer „Abgespeist“ - Kampagne die allseits bekannten „Nimm-2- Bonbons“ auf´s Korn und bezeichnen die Werbung des Herstellers Storck als Etikettenschwindel. Was haben Sie gegen ein Produkt, das Kinder seit Jahrzehnten gerne essen?

Dass es seit vielen Jahren schon gegessen wird, macht es noch nicht zu einem besseren Produkt. Die Werbung von Storck zielt darauf ab, diese Bonbons als in irgendeiner Form bessere und gesündere Bonbons anzupreisen. Das wird damit begründet, dass Vitaminzusätze enthalten sind. Teilweise in sehr hoher Menge. Nun fühlt es sich erst einmal gut an, wenn man Kindern etwas „Gesundes“ zum Naschen geben kann. Der Punkt ist nur, dass diese Vitamine eigentlich gar nicht gebraucht werden. Wir haben keinen Mangel an Vitaminen! Diese sind jedoch in der Produktion sehr günstig. Also gibt man einfach günstige Zutaten wie Vitamine in eine Süßigkeit, nur um sie als besonders „gesund“ darstellen zu können. Letztlich werden die meisten dieser zugesetzten Vitamine von den Kindern wieder ausgeschieden.
Das viel fatalere Problem ist aber, dass Kinder damit etwas völlig Falsches lernen. Sie lernen, dass Obst und Gemüse für eine ausgewogene und gesunde Ernährung gar nicht zwingend erforderlich sind, sondern dass sie diese Ausgewogenheit auch mit Süßigkeiten erreichen. Es geht nur darum, die richtige Süßigkeit auszuwählen. Es kann doch nicht in unserem Interesse sein, dass solch eine Botschaft durch die Werbung transportiert werden darf!

In England gibt es seit März 2006 die sogenannte „Lebensmittel-Ampel“ auf Verpackungen. foodwatch setzt sich für eine europaweite Einführung ein.

Wie funktioniert die Ampel?


Es geht hierbei darum, den Verbrauchern bereits auf der Vorderseite klar zu machen, wie viele der wichtigsten Nährwerte, also Fett, gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz im Produkt enthalten sind. Bei der Ampel werden diese Nährwerte, bezogen auf 100 Gramm, standardisiert angegeben. Zur einfacheren Orientierung wird diese Grammangabe mit einer der Ampelfarben hinterlegt. „Rot“ steht dabei für einen hohen Wert, „Gelb“ für einen mittleren und „Grün“ für einen niedrigen Wert. Für den Verbraucher macht die „Ampel“ einen unkomplizierten und direkten Vergleich zwischen den nebeneinander stehenden Produkten eines Segmentes möglich.

Deutschland hat die EU-weite Einführung der Lebensmittelampel scheitern lassen. Warum?

Nicht nur Deutschland. Der europäische Gesetzgebungsprozess zu diesem Thema ist seit Januar 2008 im Gange und relativ komplex. Zuletzt hat das europäische Parlament über die Einführung der Ampelkennzeichen abgestimmt. Es gab eine knappe Mehrheit dagegen. Jetzt muss im Ministerrat, im Gremium der 27 zuständigen Fachminister aus jedem EU-Staat, darüber beraten werden. Das Ergebnis ist noch offen, wir erwarten aber nicht, dass es ein Votum für die Ampelkennzeichen geben wird. Die Bundesverbraucherministerin Aigner hat sich gegen die Ampel ausgesprochen und setzt sich auf europäischer Ebene dementsprechend auch nicht dafür ein. Sie setzt sich damit laut Umfragen über rund 70 Prozent der Verbraucher hinweg. Neben den Verbrauchern sprechen sich auch die Krankenkassen, die Bundesärztekammer, der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte und viele Patientenorganisationen wie die Deutsche Herzstiftung für die Ampelkennzeichnung aus.

Die Lebensmittelindustrie arbeitet an einer Art Revolution der Nahrungsmittelproduktion. „Functional Food“ füllt immer mehr Regale der Supermärkte. Bei Nestlé macht Funktionsnahrung mit medizinischer Wirkung schon knapp die Hälfte des Umsatzes aus. Auf den Produktverpackungen werden Wunder versprochen, wie z.B. Schutz vor Erkältungen. Was halten sie davon?

Eine Revolution ist es in der Tat für die Umsätze der Hersteller, die sich überlegen müssen, wie sie in einem völlig gesättigten Markt weiter wachsen können. Das ist das Grundproblem. Wir sind ausreichend mit Lebensmitteln versorgt und es gibt eine natürliche Grenze, weil wir einfach nur so viel essen können, wie der Magen fasst, mehr geht nicht.

Ein Unternehmen in unserer Wirtschaftsordnung ist darauf ausgerichtet, Wachstum zu erzeugen, das heißt, wenn es nicht mehr verkaufen kann, muss es sich überlegen, wie es auf Kosten der Konkurrenz wachsen kann. Hersteller müssen neue Produkte auf den Markt bringen für die Menschen bereit sind, mehr Geld zu zahlen als für herkömmliche Produkte.

Mit Butter und Milch und Fleisch lässt sich nicht viel Geld verdienen. Also wird versucht, Produkte zu entwickeln, die einen besonderen Zusatznutzen versprechen. Erstaunlich gut verkaufen lässt sich ein gesundheitlicher Zusatznutzen. In der Regel handelt es sich bei derartigen Produkten, die z.B. vor Erkältungen schützen oder Alzheimer vorbeugen sollen, leider nur um reine Marketingversprechen. Bei näherem Hinsehen erweisen sich diese Produkte als Luftnummern.

Das prominenteste Beispiel ist „Actimel“ von Danone, ein probiotischer Joghurtdrink. Dieser suggeriert dem Verbraucher in der Werbung (speziell Eltern mit Kindern), dass bei regelmäßigem Verzehr das Immunsystem gestärkt und damit ein Erkältungsschutz „getrunken“ wird. Fakt ist, dass dieser Joghurtdrink die gleiche Wirkung auf das Immunsystem hat, als wenn Sie irgendeinen anderen herkömmlichen Naturjoghurt essen (oder auch Kefir oder Sauerkraut). Der Produkthersteller vermarktet jedoch eine erhöhte positive Wirkung auf das Immunsystem bei regelmäßigem Konsum und es funktioniert. Der Verbraucher zahlt drei bis vier Mal so viel, als für vergleichbare Ware. Am Ende wird den Menschen einfach das Geld aus der Tasche gezogen. Für dieses Geld erkaufen sie sich keine besondere gesundheitliche Wirkung, dafür aber doppelt so viel Zuckergehalt als bei anderen, ähnlichen Produkten.

Aber viele Verbraucher scheinen an die Versprechen zu glauben. Vielleicht lassen wir uns einfach gerne betrügen?

Das Problem ist doch, wie können wir die Aussagen überprüfen? Hier fehlt es doch erheblich an Transparenz. Wenn wir uns diesen Werbeversprechen im Supermarkt gegenüber sehen, dann fehlen uns oft die Instrumente, das zu überprüfen. Wir scheitern ja schon bei den Inhaltsangaben, bei solchen kleinen Dingen wie beispielsweise dem Einsatz von Zusatzstoffen. Wenn wir z.B. keine Zusatzstoffe und keine Geschmacksverstärker in unseren Produkten haben möchten, kaufen wir ein Produkt mit dem Aufdruck „ohne Geschmacksverstärker“. Aber tatsächlich ist ein Geschmacksverstärker darin enthalten, nämlich Glutamat in Form von Hefeextrakt, das einfach nur rechtlich nicht als Geschmacksverstärker definiert ist und demnach nicht als Zusatzstoff gekennzeichnet werden muss. Das ist eine Lücke in der Gesetzgebung und diese wird von den Herstellern ausgenutzt. Der Verbraucher muss dann schon erhebliches Fachwissen mitbringen, um so etwas erkennen zu können. Das ist nicht unser Bild vom Verbraucher, dass er ausgebildeter Lebensmitteltechnologe und studierter Lebensmitteljurist sein muss, um sich im Supermarkt zurechtzufinden.

Transglutaminase wird benutzt, um Schinkenstücke zusammenzukleben. Das Enzym ist nicht kennzeichnungspflichtig, weil laut EU nicht gesundheitsschädlich. Ist das so für Sie in Ordnung?


Nein, das ist so nicht in Ordnung. Es gibt ein Produkt, das nennt sich Schinken und ist seit vielen Jahren als besonders edles und gewachsenes Stück Fleisch bekannt. Was heutzutage als Schinken verkauft wird, ist manchmal Schulter als Vorderschinken, Teile der Lende als Lachsschinken, und so weiter und so fort. Und es gibt eben auch Formfleischschinken, der aus kleinen Teilen zusammengepresst wird. Bei Klebeschinken kann man nicht mal mehr erkennen, dass der aus unterschiedlichen kleinen Teilen besteht, weil die Enzyme dafür sorgen können, dass die Fleischfasern richtig ineinander verwachsen. Die kleinsten Fleischfasern können dafür als Ausgangsmaterial verwendet werden.
Ich denke, die Verbraucher wollen wissen, was sie kaufen. Vielleicht entscheiden sie sich ja auch bewusst für ein solches Produkt, weil es günstiger ist, weil man auch noch kleine Fleischfasern verwenden kann. Das ist ja auch völlig in Ordnung, wenn nichts gesundheitsschädliches darin enthalten ist, das ist bei Klebeschinken, so weit wir wissen, der Fall.

Warum gibt es eigentlich so viele E-Zusatzstoffe in unseren Lebensmitteln?

Das hängt mit der zunehmenden Globalisierung der Lebensmittelproduktionen zusammen. Sobald ein Bäcker seine Brötchen nicht mehr selbst in der Backstube backt, sondern nur noch Teiglinge auftaut, die aus Fernost oder Osteuropa kommen, dann müssen diese viele Tage vorher zubereitet und haltbar gemacht werden. Brötchen kann man sehr gut ohne Zusatzstoffe herstellen, aber weil sie eben nun so gemacht werden wie heutzutage üblich, müssen diese Stoffe benutzt werden.

Wir haben aber vor allem deshalb ein höheres Maß an Zusatzstoffen als noch vor einigen Jahren, weil Zusatzstoffe verhältnismäßig billig sind. Wenn sie Aromastoffe einsetzen, können sie damit natürliche Zutaten wie z.B. Früchte einsparen. Außerdem erreicht man damit einen standardisierten gleichbleibenden Geschmack, den man unabhängig von einer Ernte erhält. Das sind Vorteile für den Handel und für die Hersteller, welche die gesamte Produktion günstiger machen. Dabei wird so mancher Zusatzstoff eingesetzt, der aus gesundheitlicher Sicht leider nicht unbedenklich ist.

Die Lebensmittelproduktion wird  intransparenter und globaler. Welche Ziele verfolgt foodwatch als Verbraucherschutzorganisation?


Wir verstehen uns übrigens nicht als Verbraucherschutzorganisation, sondern als Verbraucherrechtsorganisation. Der Unterschied mag kleinlich klingen, hat aber damit zu tun, dass Verbraucherschutz in der Politik immer davon ausgeht, dass es um Schutzbedürftige geht. Uns geht es eher darum, für die Verbraucher, 82 Millionen in diesem Land, Rechte durchzusetzen. Verbraucher sollten nicht nur das Recht haben, sich ausreichend und ausgewogen ernähren zu können. Sie sollten auch erfahren, was genau in den Produkten enthalten ist. Es geht darum, bewusste Entscheidungen möglich zu machen.

Sie haben sicher auch einen langen Arbeitstag und wenig Zeit. Wie und wo kaufen sie ein?


Sehr unterschiedlich. Ich kaufe manchmal abends schnell in einem ganz gewöhnlichen Supermarkt ein, der gerade noch offen ist.
Ich kaufe auch im Bioladen und auf dem Wochenmarkt ein. Und ich glaube, das ist ja auch die Lebensrealität vieler Menschen. Es gibt nicht mehr den Verbraucher, der die Möglichkeit hat, sich ausschließlich auf dem Wochenmarkt oder beim Bauern zu versorgen. Das ist auch der Ansatz von foodwatch. Wir sagen, dass selbst diejenigen, die nur mal eben fünf Minuten vor Ladenschluss in den Supermarkt springen können, die Möglichkeit haben sollten, gute Produkte vorzufinden, bei denen sie transparent und einfach über sämtliche Inhaltsstoffe informiert werden.


Mirco Keilberth

Hintergrundinformationen zur Lebensmittelampel:

Transparenz für den Verbraucher

In England ist sie seit 5 Jahren auf vielen Lebensmittelverpackungen zu finden und ein Riesenerfolg. Die Käufer nutzen die Lebensmittelampel, um sich zwischen ähnlichen Produkten zu entscheiden und das im Handumdrehen. Statistiken der Handelskette Sainsbury`s legen nahe, dass die Konsumenten die roten, gelben und grünen Kennzeichnungen als Auswahlkriterium gerne nutzen. Und gleichzeitig eben nicht ganze Produktgruppen wie Schokolade und Käse meiden, so hatte es die Lebensmittelindustrie nämlich vorausgesagt.
Ein roter Punkt für zu große Mengen eines bestimmten Nährstoffes heißt nicht: „Kauf mich nicht“, sondern soll ein möglichst schnelles Vergleichen mit demselben Inhaltsstoff der Konkurrenzprodukte im Regal ermöglichen.
Die simple Farbkennzeichnung funktioniert, weil der Verbraucher das Prinzip intuitiv versteht, nach Studien der britischen Lebensmittelbehörde wenden 90% der Befragten die Ampel korrekt an. Von der Industrie bevorzugte reine Zahlenangaben fielen bei Tests in Supermärkten hingegen durch, vor allem Prozentangaben verwirrten die Testkäufer.
Die Farben der Lebensmittelampel beschränken sich zwar auf die wichtigsten Nährstoffe und ersetzen keine genaue Auseinandersetzung mit gesunder Ernährung. Sie ermöglichen aber schnelle Entscheidungen im Supermarkt und damit verstehbare Regeln und Transparenz für den Konsumenten.

Das ist wohl der Grund, den sich die Lebensmittelbranche die wohl größte Lobby-Schlacht der letzten Jahre in Brüssel rund eine Mrd. Euro hat kosten lassen. Nach Schätzungen der Anti-Lobbying-Organisation „Corporate Europe Observatory“ wurde das Europäische Parlament noch nie zuvor von so intensiver Lobbyarbeit belagert wie im letzten Jahr, mit dem Ziel, die Farbkennzeichnung zu verhindern. Gegen Nährwertangaben auf rot-gelb-grüne Ampelart hatten sich die Konzerne aus Angst vor drastischen Verkaufseinbrüchen bei bestimmten Produkten massiv gewehrt. Stattdessen möchten die meisten Unternehmen das sogenannte GDA-System (Guideline Daily Amount) verpflichtend einführen. „Es ist klar, verständlich und basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen“, heißt es dazu etwa bei Danone.
Mit den Stimmen der Konservativen und Liberalen wurde dann auch im Juni 2010 ein Gesetzesentwurf zur europaweiten Einführung der Lebensmittelampel im Parlament abgeschmettert.
„Die Entscheidung deckt sich mit unserer Bewertung der Ampelkennzeichnung“, hieß es dazu bei Nestlé als einem der betroffenen Lebensmittelmultis. Man begrüße, dass „die erweiterte Kennzeichnung von Lebensmitteln in Europa keine Unterstützung gefunden hat“. Europaweit zeigten sich Verbraucherschützer, Krankenkassen und Ärztevertreter enttäuscht.
Die vom Parlament verabschiedete Verordnung sieht nun eine umfassende Kennzeichnung von Lebensmitteln vor. Dabei müssen die Hersteller künftig den Gehalt an Kohlehydrate, Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz sowie Eiweiß und Ballaststoffe ihres Produkts pro 100 Gramm verbindlich angeben und auch Imitate, gentechnisch veränderte oder mit Nanopartikeln behandelte Zutaten kenntlich machen. Bei Fleisch, Milchprodukten und Früchten soll zudem die Herkunft nachgewiesen sein. Für mittelständische Unternehmen gilt eine fünfjährige Übergangsfrist. Wie die Kennzeichnung im Detail geschieht, bleibt aber weitgehend den Herstellern überlassen. Hier liegt das Problem für foodwatch und andere Verbraucherrechtsorganisationen.
Andere verpflichtende Kennzeichnungssysteme sollen de facto verboten werden, sogar auf einzelstaatlicher Ebene. Das heißt im Klartext: Die Regierung eines EU-Mitgliedstaates könnte die Ampelkennzeichnung nicht einmal zusätzlich zum EU-Standard national einführen.
Mit dem „Aus“ für die Ampel wurde eine wichtige Chance vertan, den Lebensmittelmarkt transparenter zu gestalten. Auch der Anreiz für Lebensmittelproduzenten, gesündere Fertigprodukte zu entwickeln, ist wohl erst einmal verloren gegangen.

Weitere Artikel zum Thema Transparenz finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Truscon-Unternehmensmagazins KANT.